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Die Universität in Porto

FMUP

Im letzten Post über Erasmus schrieb ich, dass ich hier von meiner Universität erzählen möchte. Und nein, ich habe es nicht vergessen, aber noch lieber als über meine Universität möchte ich über die Faculdade de medicina da Universidade do Porto, FMUP (die medizinische Fakultät der Universität von Porto) schreiben, da sie die einzige ist, die ich hier kenne.

Wenn man mich bitten würde, sie auf einer Skala von 0 bis 10 zu bewerten, würde ich ihr eine 8 geben. Eine dicke, fette, runde 8. Eine 8 mit Armen, Beinen und scharfen Zähnen, die umherzieht und die Stadt zerstört, wie es Godzilla in seiner Jugend getan hat, mit Lasern, die aus den Augen schießen... ok, Laura. Entspann dich.

Was ich gerade sagen wollte, und was ich schon in früheren Posts erzählt habe, ist, dass ich die Fakultät einfach liebe. Es tut mir Leid, dass ich das nicht mit Bildern veranschaulichen kann, aber ich habe nie meine Kamera mit zu den Kursen genommen.

Das Gebäude ist alt (wie 90% der Bauwerke in der Stadt), aber das ist das Fakultätsgebäude meiner Heimatuniversität in Spanien auch. Und die Anordnung ist chaotisch. Einer der Punkte, die ich nicht mag, ist, dass die Klinik und das Fakultätsgebäude zusammen sind. In Spanien habe ich mein Fakultätsgebäude, in dem die Kurse stattfinden, dort ist die Bibliothek, sind die Labore, die Büros usw. Wenn man die Straße überquert, kommt man zu einem Teil der Klinik und durch einen kleinen Abhang (dem kleinen Abhang der Hölle) kommt man zum anderen Teil, Valdecilla. Hier ist alles zusammen. Da stand ich also und habe darauf gewartet, in den Kurs zu gehen, als mich zwei Krankenschwestern fast über den Haufen rannten mit einer Transportpalette, auf der ein Patient lag.

Das finde ich also nicht gut und ich denke, es ist nicht sorgfältig durchdacht. Eine kranke Person sollte auf ihrem normalen Weg durch das Krankenhaus nicht an wie vielen Gruppen von lachenden Studierenden, die über alles mögliche Witze machen, vorbeikommen müssen. Das finde ich nicht angemessen.

Aber gut, genug gejammert... es ist nicht das Gebäude oder die Klinik in die ich mich verliebt habe. Es sind die Leute, die Studierenden und der universitäre Geist, den man hier fühlt.

Study Buddy Programm

Am ersten Tag, an dem ich zur Hochschule ging, traf ich Maria, meinen "Buddy". Das Buddies Programm ordnet einem Erasmus-Studierenden einen normalen portugiesischen Studenten zu, der einem Hilfe in allen Dingen, die man braucht, anbietet. Von der Suche nach einer Unterkunft über das Abholen vom Flughafen bis zum Eingewöhnen in das Umfeld der Fakultät. Maria half mir sehr. Am ersten Tag zeigte sie mir alles und erklärte mir viele Dinge. Das erste, was mir auffiel, waren die Senior-Studierenden mit ihren schwarzen Umhängen (ich nenne sie gerne Raben) und die Erstsemester sind normal gekleidet. Tatsächlich glaubte ein Senior-Student, dass ich ein Neuling sei. Damals verstand ich noch kein Portugiesisch und so antwortete ich einfach "“¿Qué? No, no. ¡Erasmus! ”.

Diese Umhänge also... ich erhielt so viele Erklärungen darüber was sie bedeuten sollen, dass ich keine Ahnung mehr haben, wofür sie eigentlich stehen. Ich weiß, dass es eine Tradition ist, die man im ganzen Land findet, nicht nur in Porto. Und ich weiß, ohne mich jetzt darüber lustig zu machen, wenn es das in Spanien auch geben würde, würde jeder mitmachen.

Man erzählte mir, dass man je nach Studienjahr das Recht hat, den Umhang auf eine andere Art zu binden, für jede Enttäuschung in der Liebe macht man einen Einschnitt und deshalb sind die Umhänge von vielen Studierenden auch sehr lädiert. Ich erfuhr auch, dass man je nach Studienjahr anders genannt wird... oder waren es die Bestandteile, aus denen der Umhang bestand? Keine Ahnung, und ich weiß wirklich nicht was wahr und was falsch ist.

Das Lustigste daran ist, dass nicht jeder, aber viele Leute diese Umhänge tragen. Und sie tragen sie wann sie wollen. Sie kleiden sich ganz in schwarz, hängen sich den Umhang um und fertig, damit geht es in die Kurse. Und was wenn man sich gerade erholt und irgendwo am Nachmittag einen Kaffee trinkt und man eine Gruppe "Raben" sieht, die gerade spazieren gehen? Oder noch besser... wie wäre es, wenn du nachts ausgehst und eine Gruppe "Raben" feiern sieht? Wenn sie rote Haare haben denkt man sich "Fuck, Weasleys, wisst ihr eigentlich wie man Spaß hat? ".

Ohne das Thema der Umhänge und Harry Potter abbrechen zu wollen, scheint es, als ob unsere Freundin J. K. Rowling in Porto war, einen Kaffee im café Majestic in Rua Santa Catarina getrunken hat, ein sehr elegantes Café nicht weit von meiner Unterkunft entfernt, und dabei die ersten Wörter der Harry Potter Saga geschrieben hat. Deshalb sehen Schüler in Hogwarts aus wie Studierende an portugiesischen Universitäten. Man könnte sagen, dass Harry Potter mehr portugiesisch als englisch ist.

Die Universität in Porto

Eine andere Tatsache, die Porto und Harry Potter verbindet ist der Bücherladen von “Lello e Irmão". Es ist ein sehr schöner Bücherladen, sowohl innen als auch von außen. Dort wurden sogar ein paar Szenen der Harry Potter Filme gedreht. Es scheint so, als ob die Autorin die Stadt mag.

Die Universität in Porto

Die Universität in Porto

Tuna

Aber nun zurück zur Universität. Was ich auch wirklich mochte, ist Tuna, die studentische Musikgruppe. Ja, ich weiß, dass das keine portugiesische Tradition ist, aber eine Tradition der medizinischen Fakultät, in Spanien gibt es die auch. Okay also... wie viele Tunas sieht man gewöhnlich in den Straßen Spaniens? Es sind nicht viele... in manchen spanischen Städten mehr als in anderen, aber generell kann man, um ehrlich zu sein, sagen, dass das spanische "Tuna" eher tot als lebendig ist.

An meiner Fakultät hier gibt es eine "Tuna"-Gruppe für männliche und weibliche Studierende. Sie haben ihre eigene Umkleide und Räume, in denen sie ihre Instrumente und andere Sachen lagern können. Im Fakultätsgebäude gibt es einen Korridor mit vielen Glasvitrinen, in denen all die Preise ausgestellt sind, die sie gewonnen haben. Es sind einige. Die Studierenden der "Tuna"-Gruppe gehen mit ihren Anzügen und Instrumenten umher und man kann an der Fakultät einen Kontrabass spielen hören.

Sich mit den Leuten anfreunden

Und zuletzt, aber nicht weniger wichtig... das Gefühl der Einheit. Es mag kitschig klingen, aber ich hatte die Leute an meiner spanischen Fakultät wirklich satt und dann bin ich hier her gekommen und es ist wie "Was zum Teufel? Es ist erlaubt mit allen befreundet zu sein? ". An spanischen Fakultäten gibt es häufig diese kleinen Cliquen, die mit den anderen nicht gut auskommen. Ich habe es überprüft und hier gibt es so etwas nicht.

Natürlich kommen auch hier die Leute mit manchen besser und mit manchen schlechter zurecht und mit manchen ist man besser befreundet als mit anderen. Aber ich kann heute mit einer Gruppe von Leuten zusammen essen und morgen mit einer anderen und heute siehst du sie mit einer Gruppe, morgen mit einer anderen. Und man kann durch die Gänge laufen und jeder grüßt jeden, egal in welchem Studienjahr man ist, die Leute bleiben stehen, reden, fragen Sachen, machen Scherze... die Leute sind sozial, offen und nett. In Santander sollte man sich eine Scheibe davon abschneiden (ich wage es nicht, vom Rest Spaniens zu sprechen, aber... ).

Und letztens. Jetzt wirklich, ich verspreche es. Ich bin überrascht wie eng die Beziehungen zwischen Studierenden und Dozierenden hier ist. Davon wie jeder, nicht nur die "Nerds", jeden Tag lernt und an den Kursen teilnimmt, auf die man sich vorher vorbereitet hat. Oder die Tatsache, dass es, wenn ein Studierender den Kurs unterbricht, um eine Frage zu stellen, eine Debatte auslöst an der sich alle beteiligen, und dass nicht etwa Beschwerden von anderen Studierenden kommen, die den Fragesteller als nervig beschimpfen.

Es hat mich auch erstaunt, dass Studierende 2 Stunden darauf warten, um Mittagessen zu gehen, um zusammen einen Kaffee in einem Café zu trinken, während sie auf den Dozierenden warten, die nach 2 Stunden frei sind und ihnen vorher angeboten haben, ihnen nach seinem Kurs etwas Zusätzliches zu erklären, was nicht verpflichtend ist.

Abschließend möchte ich über Erasmus selbst reflektieren, und darüber, was die Leuten denken das es ist. Meine Mutter in Spanien war sehr besorgt und hat mich jedes Mal, wenn wir telefoniert haben, gefragt, ob ich an dem Tag schon etwas gelernt habe. Als ich noch in Spanien war sagte mir mein Onkel immer wieder "Was für ein Orgasmus-Jahr du haben wirst". Freunde wollten nicht mit Erasmus ins Ausland gehen, weil sie dachten, es würde nur ein akademisches Jahr vergeuden (das habe ich vor nicht all zu langer Zeit auch noch gedacht).

Quelle

Aber nach einem Monat hier und ohne zu wissen, wie meine Ergebnisse hier aussehen werden, möchte ich sagen, dass es eine wirklich bereichernde Erfahrung für mich ist, auch in akademischer Hinsicht. Es stimmt schon, dass Erasmus eine Katastrophe sein kann, wenn man nicht weiß, wie man seinen Zielort auswählt. Bevor ich hierher gekommen bin, suchte ich nach Informationen über die Universität, ob sie gut oder eher schlecht ist, denn diese Dinge beschäftigten mich.

Wenn man sich entscheidet mit Erasmus ins Ausland zu gehen und nur auf das Land oder die Tatsache, dass es mehrere oder weniger Parties gibt, achtet, kann es sein, dass man Glück hat und die Universität gut ist, es kann aber auch sein, dass das nicht der Fall ist und das Jahr im Endeffekt aus akademischer Sicht verschwendet ist. Letztendlich ist es aber die eigene Einstellung dazu, was für einen mehr zählt.

Abschließend kann ich also sagen, dass es einen Weg gibt den Auslandsaufenthalt mit Erasmus zu genießen ohne seinen Abschluss zu zerstören. Und dass es auch möglich ist, seine Erasmuszeit zu genießen, ohne seinen Abschluss zu zerstören und dabei trotzdem die Möglichkeit zu haben, viel zu feiern und Leute kennen zu lernen.


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